Methode

Die Anzahl der Menschen, die eine Aufstellung erlebt haben oder über Erzählungen davon gehört haben, nimmt ständig zu

 

Damit wird es auch immer leichter, kurz darzustellen, was eine Aufstellung ist. Die Methode lebt davon, dass sie ein System, egal ob Familie, Team, Organisation oder Nation, dreidimensional im Raum visualisiert. Schon allein dieses Bild im Raum löst bei den Systemkenner:innen häufig schon große Lerneffekte aus, weil sie plötzlich eine Ganzheit vor Augen haben, für die sie sonst nur innere und unscharfe Bilder haben. Ein solches Bild ist häufig schnell erstellt, die Herausforderung der Methode liegt indes darin, dass die Stellvertreter:innen für das System in dem Moment, in dem sie in das Bild eintreten, über Informationen verfügen, die sie vorher nicht gehabt haben.

Dieses Phänomen wird zumeist repräsentierende Wahrnehmung genannt und macht die gesamte Wirkung einer Aufstellung aus. Routinierte Stellvertreter:innen, aber auch schon Anfänger:innen holen bislang unbeachtete oder völlig unbekannte Informationen über das System in den Raum. Damit die Beobachter/innen und Anliegengeber:innen konstruktiv mit den teilweise unerwarteten Informationen umgehen können, empfehlen wir dringend, nur von bewährten Leiter:innen eine Aufstellung durchführen zu lassen. Unerwartete Informationen durch repräsentierende Wahrnehmung können für alle Beteiligten eben auch verstörend sein. Solides Theoriewissen und viel praktische Erfahrung ermöglichen es den Aufstellungsleiter:innen, die als Professionals oder Mastertrainer nach unseren Qualitätskriterien zertifiziert sind, therapeutisch behutsam und/oder beraterisch zielorientiert mit allen Situationen umzugehen, die Aufstellungen erzeugen können.

Warum es dieses Phänomen der repräsentierenden Wahrnehmung gibt, kann auch die Wissenschaft bislang kaum erklären. Es findet bereits Forschung zu diesem Thema statt, zu der auch unsere Mitglieder einiges beitragen. Letztlich haben wir aber alle durch unsere Arbeit erfahren, dass Aufstellungen sehr hilfreiche Informationen erzeugen, um in  Unternehmen komplexe Fragestellungen bewältigen zu können.

Dr. Denis Pijetlovic hat in seiner Dissertation an der Universität  folgendes Schema entworfen, welches die Vielfalt von Aufstellungen und die Voraussetzungen der Methode sehr gut wiedergeben.

Schema der Aufstellungstypen.png

Entwicklung

Die ersten Expeditionen in ein fremdes Land – Quereinsteiger als Pioniere

Die Geschichte der Organisationsaufstellung  beginnt 1995 in Kufstein (A) im Sinn von reinem "Ausprobieren". Bert Hellinger wurde gefragt, ob er nicht für einige Interessierte und Befreundete auch einmal Organisationsthemen aufstellen könnte. Einer der Teilnehmer dieses Seminars, für den sein eigenes Arbeitssystem aufgestellt worden war, war Gunthard Weber, der mit seinem Buch 'Zweierlei Glück' (1994) die "Familienaufstellung" nach Bert Hellinger bekannt gemacht hatte. Die Pioniere und Pionierinnen im Organisationsbereich waren so potente und umsichtige Personen wie Gunthard Weber (Psychiater, Systemischer Familientherapeut) und Brigitte Gross (Psychotherapeutin und NLP-Trainerin), die die Linie und das Niveau vorgaben. In ihrem ausgezeichneten Grundsatzartikel (Weber, 1998) haben die beiden Autoren auf 15 Seiten eine Grundlage gelegt, die trotz der rasanten Entwicklung auch heute noch weitgehend gültig ist. Die Vorgangsweise aus diesen Anfangszeiten nennen wir heute "Klassische Organisationsaufstellung". In Analogie zu den Mitgliedern der Familie wurden die Mitglieder einer Organisationseinheit oder eines Teams aufgestellt und die Dynamiken zwischen diesen Personen bearbeitet. Man erkannte bald, dass dies eine Organisation nur teilweise abbildete. Nach und nach kamen Elemente wie "Ziele", "Kunden", "Produkte" etc. dazu. Die repräsentierende Wahrnehmung – schon für Personen erstaunlich genug – funktionierte auch für abstrakte Elemente.

Die abstrakte Zugangsform eröffnet neue Einsichten in die komplexe Welt der Organisation

Zwei andere Quereinsteiger leisteten und leisten richtungsweisende Grundlagenarbeit: Matthias Varga von Kibéd, Professor für Logik, Philosophie und Wissenschaftstheorie und Insa Sparrer, Psychologin und Psychotherapeutin. Sie erarbeiteten systematisch eine umfassende Theorie und Grammatik für die von ihnen so bezeichneten Systemischen Strukturaufstellungen (Varga/Sparrer, 2000; Sparrer, 2001, 2006). Es wurden eher abstrakte struktur- und prozessdeterminierende Elemente wie "das Problem" ,"Hindernis A, B", Entscheidungsoptionen ("Tetralemma") etc. eingeführt; Möglichkeiten der "verdeckten" Intervention und Prozessarbeit wurden gefunden, wodurch auch heikle Themen im Rahmen eines öffentlichen Settings, außerhalb und innerhalb des Unternehmens bearbeitbar gemacht wurden. Es wurden gegenüber dem System 'Familie' andere, komplexere systemische Ordnungen erkennbar. Varga v. Kibéd wies – in Anlehnung an Erickson - als erster darauf hin, so weit wie möglich in der Sprache des Klienten (also "Kunden") zu sprechen. In Summe kam man damit der Realität von Organisationen einen entscheidenden Schritt näher. Es entstand ein experimentierfreudiges Klima auf breiter Ebene.

Die Systemaufsellung als integriertes Management- und Beratungsinstrument

In dem Maß als systemisch orientierte Organisationsspezialisten (Berater, Führungskräfte, Fachspezialisten) das Instrument für sich entdeckt haben, entwickelt sich eine neue Richtung. Die Systemaufstellung wird unspektakulär als ein Werkzeug von mehreren in laufende Beratungs- oder Managementprozesse integriert. Es werden neue Aufstellungsformate entwickelt, die sich konzeptionell und sprachlich an das jeweilige professionelle Feld andocken. Dies trifft vor allem auf die Felder OE/Veränderungsmanagement, Strategie, Vision, Ziele, Marketing, Werbung, Marktforschung, Projektmanagement, HR-Management u. a. 

Viele Berater:innen und Organisationsinterne waren neben den genannten Pionieren an der "Übersetzungsarbeit" in das Feld Organisationen beteiligt, wie T. Siefer, M. Wingenfeld, Grochowiak (2001), Horn/Brick (2001, 2003), C. Essen, J. J. Stam, M. Blumenstein, A. Boutellier, Groth/Stey (2007), F. Assländer, Rosselet/Lingg/Senoner (2007), B. Knegendorf, B. Sachs-Schaffer, C. Regojo und viele andere, die in der praktischen Arbeit in und mit Organisationen zur Entwicklung beigetragen haben.  Vom deutschsprachigen Raum aus hat sich die Methode in viele Länder weltweit verbreitet.